Zwei Stunden in Las Vegas

Feuer, Wasser, Licht und Tanz
Mit „Dancing Las Vegas“ tourt momentan ein Entertainer durch Deutschland und die Schweiz, der seit vielen Jahren tot gesagt ist, aber gerade sein 20 jähriges Bühnenjubiläum feiert. Und das nicht in kleinen Sälen, auf Sommerfesten oder 90er-Revival-Partys, sondern in den größten Konzerthallen des Landes. Die Rede ist von DJ BoBo.
Ein DJ BoBo-Konzert in einem kleinen Saal ist auch kaum vorstellbar, denn auch bei dieser Tournee spielt der Schweizer auf einer gigantischen Bühne (Kostenpunkt: rund 3,5 Millionen Euro), die sich über drei Ebenen erstreckt und 14 Meter hoch ist. Vor der Bühne steht ein riesiger Cadillac, links und rechts von der Bühne befinden sich eine Engels- und eine Teufelsfigur.

©derfreidenker.wordpress.com

Mit einem Einspielfilm, der die vergangenen Tourneen Revue passieren lässt, beginnt die gut zweistündige Show. Im Jahr 2012 angekommen endet der Film und plötzlich steht DJ BoBo in der Mitte der Halle und bewegt sich – „Viva Las Vegas“ singend – in Richtung Bühne. Dort angekommen fällt der Vorhang und die ganz im Las Vegas-Stil gehaltene Bühnenkonstruktion wird enthüllt.
Es folgen einige Songs aus dem neuen Album „Dancing Las Vegas“, die deutlich elektronischer klingen, als seine Musik in den letzten Jahren. Damit kehrt der Schweizer Popstar in modernem Klanggewand zu seinen musikalischen Wurzeln zurück.
Passend zum 20 jährigen Bühnenjubiläum schwelgt DJ BoBo während eines Einspielers alter Filmaufnahmen aus seiner Jugendzeit in Erinnerungen. Direkt danach spielt er seinen ersten Hit „Somebody Dance with me“ und lässt einige weitere Klassiker erklingen, die die Halle in eine große Party verwandeln lassen. Die Vorgruppe „Sonic Suite“ ist fest in die Show integriert. Sie singen zusammen mit DJ BoBo den unveröffentlichten Song „Let the good times roll“, eine Ballade und ein A cappella-Medley seiner größten Hits.

©derfreidenker.wordpress.com

Zwischendurch unterhält sich DJ BoBo immer wieder mit seinem Publikum, lässt es singen, tanzen und la-ola-Wellen machen. Eine Frau aus dem Publikum wird sogar während der Show von ihm angerufen und auf die Bühne gebeten.
Tänzerisch ist er längst nicht mehr so dynamisch wie vor zehn Jahren und so setzt DJ BoBo auf andere Showelemente, die das Publikum unterhalten. So zeigt ein Eiskunstlauf-Paar eine waghalsige Choreografie auf einer 8 x 4 Meter großen Eisfläche. Zum Lied „What a feeling“ tanzt eine leicht bekleidete Tänzerin unter einem 12 Meter hohen Wasserfall. Im Anschluss daran kommt ein Tänzer hinzu und die beiden inszenieren einen Streit und die Versöhnung.

©derfreidenker.wordpress.com

Nach der Hälfte der Show fällt ein weiterer Vorhang und die gigantische Bühne entpuppt sich als die längste Showtreppe Europas.
Neben diesen vielen Showeinlagen spielt DJ BoBo zwischen den neuen Songs viele Hits aus seiner 20 jährigen Karriere. Gut zwei Stunden lang ist das feiernde Publikum in der glitzernden und glamourösen Welt von Las Vegas gefangen, die perfekt zu DJ BoBo passt. Er und Las Vegas stehen für Entertainment und Show.
Zum Ende des Konzertes zeichnet DJ BoBo gemeinsam mit dem Publikum ein Video für YouTube auf – als Erinnerung an den Abend.

©derfreidenker.wordpress.com

Insgesamt lässt sich sagen, dass DJ BoBo mit seiner „Dancing Las Vegas“-Tour nicht einfach nur ein Bühnenjubiläum mit alten Hits feiert, sondern mit dem „Las Vegas“-Thema zeigt, dass er noch immer neue Ideen hat, die er auf die Bühne bringt. Gute Laune ist garantiert – selbst wenn man die Musik nicht allzu sehr mag – denn DJ BoBo versteht es, sein Publikum mitzureißen. Im Gegensatz zu vergangenen Tourneen fehlt hier ein bisschen der rote Faden. Zwar ist der Las Vegas-Look permanent sichtbar und einige Lieder greifen das Thema auf, allerdings sind die einzelnen Showeinlagen  unabhängig voneinander und wirken teilweise wahllos aneinander gereiht. Das Fehlen der Tiefe im Konzept wird allerdings von der dick aufgetragenen Inszenierung wettgemacht, die in diesem Fall jedoch positiv zu bewerten ist. Die „Dancing Las Vegas“-Show wird dadurch authentisch, da Las Vegas schließlich von der Übertreibung lebt.

©derfreidenker.wordpress.com

Mit dieser Tour hat DJ BoBo sein Versprechen gegenüber den Fans eingehalten: bis 2012 nicht aufzuhören.  Das Ende ist trotzdem noch nicht erreicht. BoBo will weitermachen. In vermutlich zwei Jahren wird er erneut die größten Konzerthallen des Landes in Partymeilen verwandeln. Viva DJ BoBo!

Menschenrechte auch für Straftäter

Die Sicherungsverwahrung

Wenn Richter einen Verbrecher verurteilen, hängt das Strafmaß allein von der Tat ab. Ob der Richter erwartet, dass der Täter nochmals straffällig wird, ist also nicht entscheidend. Um die Bevölkerung trotzdem vor gefährlichen Verbrechern zu schützen, können Richter eine Sicherungsverwahrung anordnen. Die führt dazu, dass der Täter weiter eingesperrt bleibt, nachdem er seine Strafe bereits abgesessen hat. Alle zwei Jahre muss dann überprüft werden, ob von dem Verwahrten immer noch eine Gefahr ausgeht. (Quelle: n-tv.de)

In den vergangenen Jahren wurden die Regelungen rund um die Sicherungsverwahrung immer weiter verschärft. So lässt sich die Sicherungsverwahrung bereits bei Jugendlichen leichter anwenden und die Frist der Sicherungsverwahrung wurde von maximal zehn Jahren auf lebenslänglich erhöht. Eine weitere Verschärfung der Regelungen besteht im Zeitpunkt der Anordnung der Sicherungsverwahrung. Während die Verwahrung früher bereits mit dem Urteilsspruch entschieden werden musste, haben die Richter heutzutage die Möglichkeit, die Verwahrung auch nachträglich anzuordnen.

©Uli Deck/dpa

Diese Regelungen und Verschärfungen verstoßen gegen die Menschenrechte, wie auch aus den europäischen Menschenrechtskonventionen hervorgeht. Dies betrifft sowohl grundsätzlich das Wegsperren eines Menschen, als auch die Doppelbestrafung im Besonderen. Eine solche Doppelbestrafung ist das nachträgliche Anordnen einer Verwahrung. Was die Lage der Betroffenen noch prekärer macht: sie werden kaum besser gestellt, als Gefangene (in Bezug auf die Zellen, das Essen, die Bewegungsfreiheit etc.) und erhalten selten Therapiemöglichkeiten.
Auf Grund dieser Probleme steht momentan eine Neuordnung der Sicherheitsverwahrung an. Doch eine Grundsatzfrage bleibt bei dem Thema bestehen. Ist es moralisch vertretbar, dass Menschen weggesperrt und ihrer Freiheit beraubt werden auf Grund der Wahrscheinlichkeit, dass sie erneut ein Verbrechen begehen? Darf man Menschen wegsperren, bevor sie sich eines Verbrechens schuldig machen?
Ich mache hier mal die Annahme (ich weiß nicht, inwiefern es möglich ist), dass man mit psychologischen Untersuchungen herausfinden kann, dass es sehr wahrscheinlich ist, dass ein Täter erneut ein Verbrechen begehen wird. In diesem Fall halte ich es für legitim, die Bevölkerung davor zu schützen.

©dpa

Doch auch ein Verbrecher ist ein Mensch mit Rechten – auch wenn uns seine Taten missfallen. Die Bedingungen, unter denen Personen in Sicherungsverwahrung eingesperrt sind/werden, müssen ein verhältnismäßig angenehmes Leben ermöglichen. Denn es darf nicht vergessen werden, dass diese Personen ihre Strafe bereits verbüßt haben. Es muss also auf das Ziel hingearbeitet werden, dass diese Menschen entweder nicht mehr rückfällig werden oder dass sie nicht mehr in die Situation kommen, ein Verbrechen der Art, der sie sich verleitet fühlen, zu begehen. Dies kann durch das Abschotten dieser Personen wohl am besten gelingen. Innerhalb ihrer Abschottung sollte ihnen aber ein Leben ermöglicht werden, wie es freie Menschen auch führen können. Freie Menschen wohnen eher selten mit Verbrechern in einer Zelle, kriegen Gefängnis-Essen etc.
Die Erarbeitung und Organisation guter Verwahrungsbedingungen mag sehr anspruchsvoll sein und auch die damit einhergehenden finanziellen Probleme müssen bedacht und auf Lösungen hin untersucht werden. Aber ich halte es für unsere Pflicht, dies zu tun – im Namen der Menschenwürde!

Nachtrag zu „Gleichgeschlechtlicher Sex“

14. Mai 2012 7 Kommentare

Natürlich eine Frage der sexuellen Orientierung
Zu meinem Artikel von letzter Woche möchte ich noch ein paar Punkte nachtragen, da ich offenbar von vielen Menschen falsch verstanden wurde. Da sich die Diskussionen auf Facebook abspielten und leider nicht hier in den Kommentaren, werde ich der Reihe nach vorgehen.
In meinem Text stellte ich die Fragen, warum der Spaß am Sex mit dem gleichen Geschlecht bei den meisten Jungs im Laufe der Zeit verschwindet und ob dies überhaupt so ist.
An diesem Punkt hat man mir unterstellt, ich würde Heterosexualität in Abrede stellen. Ja gar von einer Verherrlichung von gleichgeschlechtlichem Sex im Rest meines Textes, wodurch Hetero-Sex einen faden Beigeschmack bekommen würde, war die Rede. In der Auseinandersetzung mit meinem Artikel viel sogar der Ausdruck Misogynie, wenngleich er nicht auf mich und meinen Text bezogen war.
Hier reicht es natürlich nicht, mich darauf zu berufen, dass wer mich kenne, ja wisse, dass ich so tolerant bin, wie ich es von anderen fordere. Das stimmt zwar, reicht aber als Erklärung nicht aus.
Als Prämisse gilt: Die sexuelle Orientierung bildet sich nicht im Laufe der Zeit, sondern ist von Beginn an angelegt.
Das bedeutet, dass wenn ich von Jugendlichen spreche, die sich im Laufe der Zeit von gleichgeschlechtlichem Sex abwenden, ich automatisch nur von jenen spreche, die zumindest ansatzweise bisexuell veranlagt sind – ob nun bewusst oder unbewusst. Ich bezeichne sie zunächst noch als hetero, weil sie sich selbst so sehen. Später werde ich mit meiner Position aber noch deutlicher und spreche von der Wahrnehmung als heterosexuell.
Die Jugendlichen, die rein hetero sind, haben gar nicht das Bedürfnis, mit anderen Jungs Sex zu haben. Der Vorwurf, ich würde von heterosexuellen Männern sprechen, die sich vom Homo-Sex abwenden, ist daher unplausibel. Es geht um die anderen Jugendlichen und Männer. Und mögliche Gründe, warum sich diese teilweise von gleichgeschlechtlichem Sex abwenden, wurden im Verlauf des Textes vorgestellt.

©derfreidenker.wordpress.com

So führe ich eine Trennung zwischen Liebe und Lust an, die erklärt, warum Männer mit stärkerer Zuneigung zu Frauen den gleichgeschlechtlichen Sex komplett ablehnen. Nebenbei gesagt: Hier nehme ich keinerlei Wertung vor. Ich sage, dass dies ein Grund sein könnte, Punkt.
Als weiteren möglichen Grund führe ich eine psychosoziale Ursache an, nämlich Einstellungen, die sich unter den Begriff „Heteronormativität“ packen lassen. In Folge heteronormativer Wahrnehmung werden bisexuelle Tendenzen verdrängt oder unterdrückt und man(n) sperrt sich gegen die Möglichkeit, dass Intimität mit Frauen nicht das Einzige ist, was ihm Befriedigung verschafft.
Anders gesagt: Ich möchte darauf hinweisen, dass es Männer gibt, die aus psychosozialen Gründen gleichgeschlechtlichen Sex ablehnen, aber durchaus die Disposition haben, ihn lustvoll zu finden, wenn sie ihre Neigung ungefiltert ausleben. Diesen Männern möchte ich einen Denkanstoß geben, damit sie vielleicht bald diesen Bestandteil ihres sexuellen Verlangens ausleben können.
Abschließend unterstreiche ich die Existenz der geschilderten Situation, indem ich den Kinsey-Report anführe, den ich für nicht aus der Luft gegriffen halte.
Und so komme ich endlich zu dem (übrigens wieder wertfreien) Schluss, dass die Gelüste nach gleichgeschlechtlichem Sex also bei mehr Männern vorhanden zu sein scheinen, als zugeben wollen.
Den Aufreißer „Gleichgeschlechtlicher Sex – Keine Frage der sexuellen Orientierung“ habe ich im Verlauf meiner Argumentation relativiert.
Dies explizit dazuzuschreiben oder gar einen anderen Titel zu wählen, hielt und halte ich nach wie vor für unnötig. Ich könnte mir das Schreiben von Texten dieser Art sparen, würde ich die Erkenntnis bereits in der Überschrift offenbaren. Die Headline stellt eine These in den Raum – in diesem Fall ist sie eine Wunschvorstellung vieler schwuler Jugendlicher – die einem zunächst in den Sinn kommen mag. Sie sorgt zudem für Neugier, was die Bereitschaft des Lesers erhöht, sich auf die Thematik einzulassen. Im Falle dieses Artikels war die Aussage nicht haltbar. Dies geht aus meinem Artikel eindeutig hervor.
Ich hoffe, dass ich die Missverständnisse hinreichend klären konnte.

Gleichgeschlechtlicher Sex

7. Mai 2012 3 Kommentare

Keine Frage der sexuellen Orientierung
Am Sonntag saß Felix verwirrt zu Hause in seinem Zimmer. Er verbrachte den Vortag mit seinem besten Freund Tobias. Sie waren gemeinsam in der Stadt und kauften sich neue Klamotten. Danach gingen sie Billard spielen und verbrachten einen lustigen Abend miteinander. Sie gingen zu Tobias, kochten gemeinsam und machten einen DVD-Abend. Nun war Felix froh, zu Hause zu sein, denn viel Schlaf hatte er nicht bekommen. Sie guckten bis tief in die Nacht DVDs und später kam eins zum anderen. Was mit „Kumpel-Wichsen“ begann, endete mit Sex. Das Merkwürdige daran: Tobias ist hetero!
Die Geschichte von Felix und Tobias ist kein Einzelfall. Viele schwule Jugendliche machen ähnliche Erfahrungen und sind verunsichert. Ihnen gehen viele Fragen durch den Kopf. Wieso hat mein Hetero-Kumpel Sex mit mir? Wieso hat er Spaß daran, obwohl er sich nur zu Frauen hingezogen fühlt? Ist er vielleicht doch nicht so hetero, wie er behauptet?
In der Pubertät kommt dieses Phänomen besonders häufig vor. Mit Beginn der Geschlechtsreife sammeln viele Jungs sexuelle Erfahrungen mit dem gleichen Geschlecht, um den eigenen Körper und die eigene Sexualität zu entdecken. Nach der Pubertät beenden allerdings die meisten Jugendlichen dieses Experimentieren wieder.

©steffen030.wordpress.com

Wenn man davon ausgeht, dass sich die Sexualität des Menschen nicht im Laufe der Zeit entwickelt, sondern von Anfang an angelegt ist, kann man sich fragen, warum der Spaß am Sex mit dem gleichen Geschlecht für die meisten Jungs verschwindet. Ist dies überhaupt so?
Bei den bloßen sexuellen Handlungen spielt es vermutlich keine große Rolle, ob ein Mann von einem Mann oder einer Frau sexuell befriedigt wird. Anal- und Oralverkehr dürften sich gleich anfühlen, egal von wem man oral befriedigt wird oder wen man anal penetriert. Die Ursache für den Sinneswandel in Bezug auf das Spaß haben am gleichgeschlechtlichen Sex muss also eine andere sein.
Lernt der Hetero-Freund Frauen kennen und führt mit ihnen eine Beziehung, so ist sein Bedarf an Sex gesättigt. Warum sollte man zusätzlich seine Lust mit dem gleichen Geschlecht befriedigen, wenn man auch das andere Geschlecht haben kann, für das man nicht nur Lust sondern auch Gefühle empfindet? Doch was ist mit heterosexuellen Männern, die solo sind und nicht die Möglichkeit haben, mit einer Frau zu schlafen? Sie haben trotzdem keinen Sex mit Männern. Der Grund, gleichgeschlechtlichen Geschlechtsverkehr abzulehnen scheint eine psychosoziale Ursache zu haben.
Selbst bei toleranten Männern besteht immer noch ein Unterschied zwischen der Akzeptanz von Homosexualität bei Anderen und dem eigenen Erleben von Sexualpraktiken, die „schwul“ sind. Tief in den Köpfen steckt wohl immer noch der Gedanke, dass solche Handlungen etwas Falsches sind, das man nicht tun sollte. Aber auch das Denken in Kategorien spielt eine große Rolle. Nimmt man sich selbst als heterosexuell wahr, versucht man automatisch dieser Rolle gerecht zu werden.

©myspace.com

Dazu gehört, dass gleichgeschlechtlicher Sex nicht in Frage kommt und falsch ist. Gar die Möglichkeit, dass dies lustvoll sein könnte, auch wenn es nicht mit Gefühlen der Liebe verbunden ist, wird nicht in Betracht gezogen. Ähnlich verhält es sich beispielsweise mit analer Stimulation. Da diese und insbesondere der Analverkehr mit Schwulen in Verbindung gebracht wird, sind viele nicht bereit, diese Form der Stimulation bei sich auszuprobieren.
Im Jahre 1948 ergab der „Kinsey-Report“, dass ca. 90% der Männer bisexuelles Verhalten zeigen. Je nachdem, wie oft man homoerotische Fantasien oder gleichgeschlechtlichen Sex hat, ist man dem „Kinsey-Report“ zu folge mehr oder weniger bisexuell. Rein hetero- oder homosexuelle Menschen gibt es demzufolge kaum. Die Gelüste nach gleichgeschlechtlichem Sex scheinen also bei mehr Männern vorhanden zu sein, als zugeben wollen. Bei Einigen sind diese Gelüste wohl lediglich nicht stark genug ausgeprägt.

Diesen Artikel von mir findest du auch: hier bei dbna.

Die Menschen in der Zukunft

30. April 2012 1 Kommentar

Lessing, Herder und ich
Was passiert eigentlich, wenn Philosophen über die zukünftige Entwicklung der Menschen nachdenken? Die Antwort: Es entstehen interessante Theorien darüber.
Tja liebe Freunde. Das war mein heutiger Blogeintrag. Bis nächste Woche xD
Hehe, na gut – ein paar Sätze mehr werden jetzt schon noch folgen. Aber seien wir doch mal ehrlich: es wurde zum Thema alles gesagt, was von Relevanz ist. Denn mehr als Theorien und Spekulationen können uns auch Philosophen nicht bieten. Ein verlässlicher Wahrsager muss halt noch geboren werden. Denn das ist es doch, was uns an den Theorien so interessiert: ein Hinweis darauf, wie wir Menschen wohl in Zukunft leben werden mit vielen Fragen, die damit einher gehen. Werden wir unsere Energie- und Umweltprobleme in den Griff kriegen? Schaffen wir es, flächendeckenden Wohlstand und Frieden zu schaffen? Können wir unsere niederen Instinkte wie Habgier, Egoismus etc. kontrollieren oder gar ablegen?

Gotthold Ephraim Lessing

Um diese Fragen zu beantworten, werfen manche Philosophen einen Blick in die Vergangenheit. Dort suchen sie nach Mustern und Regeln in unserer bisherigen Entwicklung. Heraus kommen mehr oder weniger plausible Theorien, deren Übertragung auf unsere zukünftige Entwicklung auch auf gemischte Reaktionen stoßen.
Lessing beispielsweise sieht in der Bibel den Schlüssel für die Zukunft der Menschen. Er vergleicht die Entwicklung der Menschheit mit der Erziehung eines Kindes. Der Erzieher der Menschheit sei Gott und das alte bzw. neue Testament steht für das alte bzw. neue Elementarbuch für uns, mit dem wir lernen und uns entwickeln können. Laut Lessing wird unsere Erziehung durch Gott irgendwann abgeschlossen seien, sodass wir nur noch Gutes tun – und zwar nicht, um von Gott belohnt zu werden oder auf andere Weise davon zu profitieren, sondern wegen des Guten selbst.
Herder hingegen versucht in seiner Theorie lobenswerterweise ohne Gott auszukommen. Er leitet mit Hilfe von Ereignissen der Vergangenheit Regeln ab, die er „Naturgesetze“ nennt. Nach diesen Naturgesetzen ist Humanität der Zweck der Menschennatur. Mit Hilfe unseres Verstandes, der sich im Laufe der Zeit immer weiter ausgeprägt hat und noch weiter ausprägen wird, werden wir immer mehr Humanität erlangen und unser Leben wird sich von Chaos und Unordnung hin zur Ordnung wandeln. Laut Herder befinden wir uns bereits auf diesem Weg und wir werden ihn weiter gehen.
Beide Theorien haben auf verschiedenste Weise interessante Vorzüge, lassen sich jedoch auf mannigfaltige Weise kritisieren. Aus diesem Grund erlaube ich es mir, mich in eine Reihe mit den beiden Autoren zu stellen und kurz meine Theorie in aller Kürze darzulegen. Ich gebe jedoch gleich zu, dass es sich wohl eher um eine Wunschvorstellung handelt, als um eine ernstzunehmende Theorie.

Herder: Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit

Ich denke, dass wir es mit Hilfe unserer Technologie, die wir entwickelt haben und in Zukunft erfinden werden, schaffen, in Wohlstand zu leben und die Umwelt nicht mehr zu belasten. Das Bedürfnis nach grenzenloser Macht wird mit der Zeit verschwinden, woraufhin Diebstahl und Kriege um Territorien und Ressourcen nicht mehr stattfinden werden.
Arbeiten werden wir freiwillig zum Wohle der Gesellschaft und um uns selbst zu verbessern. Geld wird es nicht mehr geben. Wir werden nicht mehr als Angehörige verschiedener Länder, Religionen, Bräuche etc. gegeneinander oder an einander vorbei leben, sondern als Weltbürger mit einander. Wir werden diese Sätze irgendwann nicht mehr nur lesen, schreiben und befürworten, sondern auch in unserem Alltag leben. Einige Menschen tun das sogar schon.
Vielleicht wird auch der Glaube an das fliegende Spaghettimonster zur Weltreligion werden und grüner Wackelpudding zum Nationalgericht von Pakistan.
Am Ende sind Theorien über die zukünftige Entwicklung der Menschen nichts weiter als mehr oder weniger plausible Ideen – egal von wem sie geäußert werden. Aber gut, dass wir mal drüber gesprochen haben. :-)

Lebensveränderung durch das Internet

Ein Kommentar von Can Keke
Wer die 90er Jahre tatsächlich noch miterleben durfte oder musste, konnte einerseits den Start des massentauglichen Internets erfahren, andererseits auch die abstruse Zeit vor ebendiesem „interconnected network“. Eine Zeit, in der es möglich war, soziale Netzwerke auf rein analoger Basis, ohne den Status „online“ innezuhaben, zu gestalten und zu leben. Waren früher noch der Sandkasten, das Baumhaus, die Straße oder die eigene Wohnung Plattformen für das Pflegen sozialer Kontakte, ist es heute in vielen Fällen nur noch der Schreibtisch. Und nicht bloß, was die sozialen Netzwerke anbelangt, haben wir durch das Internet mit Veränderungen im Alltagsleben zu kämpfen oder auch zu lieben. Wir erfreuen uns den vielen Möglichkeiten, genauso weinen wir vielleicht auch über jene.

©bernetblog.ch

War es damals noch interessant, viele Geschäfte zu durchstöbern, nach dem richtigen Geburtstagsgeschenk zu suchen, so ist das passende Geschenk heute vielleicht nur einen Mausklick entfernt – sowohl für den Käufer als auch dem Beschenkten. Jeder kann zu jeder Zeit über alles verfügen. Dieses neue Einkaufsverhalten zeigt nicht bloß eine Simplifikation des Shoppings, es äußert sich auch konkret in der Wandlung unserer Innenstädte oder Städte insgesamt. Ein Konkurrenzkampf zwischen den Geschäften, die im Internet keine teuren Ladenmieten zahlen müssen sowie mit bedeutend weniger Personal auskommen, und dem konventionellen Laden um die Ecke. So ist vielleicht nicht der Verlust von Kaufkraft eine entscheidende Ursache für den Wandel unserer Innenstädte, in denen Ladenleerstände ihr Unwesen treiben und Ramschläden aus dem Boden sprießen. Der Offline-Markt hat mit dem Internet einen ungeheuren Gegner gefunden. Einkaufszentren sind vielleicht eine Antwort auf diese Entwicklung: Was letztlich aus diesem neuen Wettbewerb in Zukunft resultieren wird, ist noch nicht abzusehen. Das Internet ist schon längst nicht mehr nur Konkurrent der normalen Geschäfte. Auch für Psychotherapien, Universitätsabschlüsse und dergleichen bietet das Internet mittlerweile alternative Programme an.

©Bildpixel / pixelio.de

Der Internetanschluss ist zum Standard geworden; und das nicht nur zuhause, sondern auch im Hosentaschenformat. Das Internet ist Arzt, Rechtsanwalt, Lehrer, Freund, Bibliothek und sicher noch vieles mehr. Jeder Bürger hat theoretisch Zugang zu einem riesigen Berg an Wissen, aber auch Pseudowissen, das er privat oder beruflich nutzen kann. Teilweise wird sogar gefordert, das Internet als ein Menschenrecht festzulegen. Schließlich ist der freie Zugang zu Wissen von enormer Bedeutung. Gleichzeitig birgt die Informationsflut auch die Gefahr der Überforderung des Einzelnen. Da wir physisch auf dem evolutionären Stand der Steinzeit sind, müssen wir erst Wege finden, mit diesen Informationen umzugehen, sie zu ordnen und praktisch brauchbar zu machen. So schnell wie sich unsere Umwelt ändert, kann sich unsere Psyche im Vergleich, trotz extremer Anpassungsfähigkeit, oftmals nur bedingt schnell auf die permanente Entwicklung einstellen.

Rechne immer mit der Dummheit deiner Mitmenschen

16. April 2012 5 Kommentare

Neulich auf Facebook
Ich weiß nicht, wie es bei dir auf Facebook aussieht, aber auf meiner Timeline finde ich nicht nur Statusnachrichten, Fotos und gepostete Videos von Freunden, sondern auch Politik. Da wird schon mal gerne Werbung für die nächste „Anti-ACTA“-Demonstration gemacht, zum, Tankboykott aufgerufen oder die Todesstrafe für Kinderschänder gefordert. Die meisten politischen Messages sind extrem populistisch, treffen genau die Emotionen der Leser und sind sehr kurzsichtig. Und wenn man von der Forderung nach der Todesstrafe für Kinderschänder absieht, sind die meisten politischen Botschaften harmlos – auf den ersten Blick!
Was viele nicht merken: hinter den Aussagen verbergen sich oftmals rechtsradikale Stimmungsmacher, die mit populistischen Aussagen die Leute ködern wollen. Die NPD und andere rechte Organisationen – aber auch Privatpersonen – versuchen über politische Botschaften, denen der Mainstream bedenkenlos zustimmt, Sympathie zu erzeugen. Dabei werden die Menschen indirekt und Stück für Stück zu offiziellen rechtsradikalen Parteien gelockt – das ist unauffälliger als direkte Parteiwerbung.

Populistische Aussagen von der NPD

Langsam und indirekt wird man vom Profil der Verbreiter durch weitere Links, Blogs und Homepages neugierig gemacht, die zunehmend radikalere politische Propaganda enthalten. Und ehe man sich versieht, steht man mitten im braunen Sumpf und weiß gar nicht so recht, wie man da eigentlich hingekommen ist – wenn man es denn überhaupt (von selbst) merkt. Man ist also gut beraten, wenn man sich gleich von Beginn an die Profile derer, die auf Facebook „Politik“ betreiben, genauer unter die Lupe nimmt.
Einer meiner Facebook-Freunde teilte vor einiger Zeit einen Aufruf zum Tankboykott, der offensichtlich von jemandem mit rechter Gesinnung erstellt wurde. Als ich besagten Facebook-Freund darauf aufmerksam machte, entgegnete er mir, dass er Inhalte teile, egal von wem sie seien. Unabhängig von der politischen Richtung sage jeder Mal etwas Richtiges – die einen mehr, die anderen weniger.
Kein schlechtes Argument, wie ich finde. Warum soll ich nicht eine unbedenkliche Aussage unterstützen, wenn ich sie für richtig halte, nur weil jene Aussage von einer rechtsradikalen Person geäußert wurde? Warum sollte ich so eine Aussage nicht teilen?

©DPA

Meine Antwort darauf lautet: rechne immer mit der Dummheit deiner Mitmenschen! Man selbst mag vielleicht in der Lage sein, mit wachem Verstand zwischen ungefährlichen Aussagen und menschenverachtender Ideologie unterscheiden zu können. Doch machen wir uns nichts vor: viele Menschen können das nicht (man sehe mir an dieser Stelle nach, dass ich mir an dieser Stelle einen Beweis für diese Prämisse spare).
Unter Berücksichtigung dessen, dass man dem Teilen solcher politischer Botschaften auch automatisch Nazi-Propaganda teilt, halte ich es für besser, eben darauf zu verzichten – auch wenn die jeweilige Aussage, um die es eigentlich geht, ungefährlich ist. Wer die Aussage losgelöst vom Urheber und dessen Intention bewertet, denkt zu kurzsichtig. Die Folgen könnten fatal sein.

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.

Join 109 other followers